Die Klima-Initiative hat den Endbericht sowie die zugehörigen Anhänge des Gutachtens mit Sorgfalt analysiert.

Es offenbart sich ein erschreckendes Ergebnis: Der Auftrag der Stadtverordneten wurde keinesfalls durchgeführt. In den gesamten Unterlagen ist nirgendwo explizit darauf hingewiesen, dass man sich vom Klimaneutralitätsziel 2035 verabschiedet hat. Es scheint, dass man so die Bürgerschaft täuschen will.

Im folgenden werden der Endbericht sowie die Anhänge für Maßnahmen, Akteursbeteiligung und Kostenblatt bewertet.

Endbericht

Zieljahr

Leider wird bei der Zielprojektion nicht systematisch analysiert: Selten ist bei den Szenarien 2035 als Zieljahr angegeben, viel zu oft aber 2040. Daraus ist kaum ein schlüssiges Gesamtbild ableitbar. Zieljahr ist lt. Beschluss Politik 2035.

Windkraft

Es ist bei der Windkraft schön, anzunehmen, dass zukünftig ein Repowering bzw. Neubau der WKA am Wehneberg erfolgt. Diese Anlagen gehören einem ortsfremden Unternehmen. Das Gutachten lässt nicht erkennen, dass es Absprachen mit diesem Unternehmen gibt.

Strommix

Beim bundesweiten Strommix wird entsprechend dem bisherigen Trend von einer Reduzierung des fossilen Anteils ausgegangen. Von diesem Anteil profitiert Hersfeld in verschiedenen Abbildungen. Jedoch verbesert sich dieser Strommix nicht per se, sondern u.a. dadurch, dass jede Kommune seinen Beitrag dazu liefert. Diese ‚Lieferung‘ des Hersfelder Anteils ist in den Abbildungen nicht wiedergegeben. Der Beitrag zur Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen suggeriert, dass da was von ganz oben kommt, ohne dass Hersfeld dafür etwas leisten muss.

TREND-Szenario

Generell wirken die verschiedenen TREND-Szenarien mit ihren Reduktionen bis 2040 nicht wirklich glaubhaft. Diese Darstellung suggeriert, dass man nur lange genug warten muss, dann löst sich alles wie von selbst.

Verkehr

Im gewichtigen Sektor Verkehr ist die Bankrotterklärung des Gutachtens unterschriftsreif:

Im TREND-Szenario stellt das Planungsbüro eine Reduktion von 47 % zwischen 2023 und 2024 dar.

„Zudem wird im Verkehrssektor auf allen Entscheidungsebenen (EU, Bund, Länder) eine forcierte Klimaschutzstrategie unterstellt.“ Was gibt das s.g. Planungsbüro da von sich? Für einen solchen Trend gibt es mit der bundesweiten Stagnation seit 1990 keine realistische Erwartung. Für Bad Hersfeld sind keine geplanten Reduzierungsmaßnahmen in Sicht. Man plant eher eine Zunahme durch noch mehr Logistikansiedlungen an der Autobahn. Die Bürgermeisterin ist zufrieden mit dem A4-Autobahnausbau von 4 auf 6 Fahrspuren.

Die heilige Kuh Motorisierter Individualverkehr (MIV) kommt hier gänzlich ungeschoren davon. Notwendige Massnahmen sind Parkraumbewirtschaftung, Sperrung /Reduktion MIV, Einflussnahme auf Unternehmen zur Reduktion von MIV-Parkplätzen (Verkehrsvermeidung/lagerung).

Wärme AKTIV-Szenario

Das Planungsbüro prognostiziert einen Ersatz von 20 % der Öl- durch Pelletheizungen. Die Wissenschaft sieht für Biomasseheizungen in Deutschland kaum Zuwachspotential. Woher bezieht das Planungsbüro seine Expertise?

Energieverbrauch AKTIV-Szenario

Das Gutachten erklärt nicht, wie die Verbrauchsreduktionen bis 2024 zustande kommen sollen. Da ist kaum was Aktives zu erkennen.

Wärme AKTIV-Szenario

Es ist schön, anzusehen, wie sich die oberflächennahe Geothermie entwickeln soll. Woher soll die kommen? Bohrungen mit bis zu 200 m Tiefe können sich wohl nur die allerwenigsten Hausbesitzer leisten. Die Gartenfläche zu nutzen dürfte für die meisten Bestandsbauten illusorisch sein. Im Maßnahmenkatalog findet sich dazu keine einzige Maßnahme.

Dieser Bankrotterklärung ist nichts hinzuzufügen.

Zusammenfassung

So wurde das Planungsbüro nicht beauftragt: Ziel ist Klimaneutralität 2035. EinTrend bis 2040, der nicht einmal in 2040 Klimaneutralität erreicht, ist inakzeptabel.

Das Ziel wird nicht knapp, sondern vollständig verfehlt.

Das ist nun mal die BISKO-Bilanzierung, die Grundlage für die Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung war. So einfach können sich Bürgermeisterin und Stadtverwaltung nicht aus der Verantwortung stehlen.

Stadtverwaltung

Leider ist bei Energie und CO2-Missionen der Sprachgebrauch hinsichtlich Stadtverwaltung und Kommune Bad Hersfeld schon irreführend. Stadt ist die Kommune Bad Hersfeld mit seinen kommunalen Grenzen. Warum die Stadtverwaltung mit einem bilanziellen Anteil < 4% energetisch und CO2-bezogen in diversen Statistiken und auch hier mit einem eigenen Kapitel auftaucht, erschliesst sich dem Betrachter nicht. Der investierte Recherche-Aufwand passt vermutlich nicht zu dem relativ unbedeutenden Ergebnis.

Sektortrennung

Leider sind bei dem Gutachten nicht alle Sektoren berücksichtigt. Hier ein Auszug aus dem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung:

Landwirtschaft und CO2-Entzug werden gar nicht behandelt.

Leider werden im vorliegenden Gutachten die Sektoren munter durcheinandergeschwurbelt. Eine klare Sektortrennung, wie sie die BISKO-Bilanzierungsmethode vorgibt, ist nicht erkennbar. Wie will man so jährlich bilanzieren, planen + prüfen?

Anhang 1: Massnahmen Übersicht

Auch hier gelingt es leider nicht, eine vollständige, sektorbezogene Planung aufzustellen.

Gliederung

Leider wird auch hier Kommune und Stadtverwaltung durcheinandergeschwurbelt.

Übersicht in 6 Handlungsfeldern

Wie im Endbericht beschrieben fehlen auch hier Massnahmen zu Sperrung /Reduktion des MIV.

Leider fehlt die Einbettung der Massnahmen in einen jährlichen Rahmen mit Angaben zu Energie, CO2-Emission, Personal- + finanzielle Resourcen.

Anhang 2: Massnahmen Steckbriefe

Controlling

Unter Controlling ist der Vergleich der Planung (Soll) mit der Realisierung (Ist) zu verstehen. Das Controlling ist eine wesentliche Aufgabe aus Beschluss und Ausschreibung. Im Gutachten ist offensichtlich etwas ganz anderes gemeint.

Zeithorizont

In den meisten Fällen ist ein indifferenzierter Zeithorizont angegeben (z.B. > 5 Jahre). Die Ausschreibung erwartet eine klare jährliche Fixierung der Masssnahmen in Verbindung mit personellen + materiellen Ressourcen.

Sachkosten

In vielen Steckbriefen sind Sachkosten in Höhe von 125 € pro Halbjahr angegeben. Dieser geringe Betrag erscheint lächerlich und nicht wirklich vertrauenserweckend in die Seriosität der Planung.

Gruppe ‚Kommunales Energiemanagement‘

Bei der energieeffizienten Sanierung/Modernisierung der Vitalisklinik wird unter Sachkosten eine Massnahme von 10 Jahren angenommen, unter Zeithorizont sind < 3 Jahre angegeben. Das passt nicht zusammen.

Beim Ausbau von Photovoltaik auf kommunalen Liegenschaften wird unter Energieeinspareffekte eine Energiemenge von 887.000 kWh angegeben. Das macht so keinen Sinn. Gemeint ist vermutlich 887.000 kWh/a.

Gruppe ‚Ausbau Solarenergie‘

Bei der Fortführung kommunale Förderung von PV-Anlagen wird unter Energieeinspareffekte eine Energiemenge von 760 kWh angegeben. Das macht so keinen Sinn. Gemeint ist vermutlich 760 kWh/a. Die angegebene Eigendeckung von 70 % ist bei Stecker-Solaranlagen (ohne Speicher) unrealistisch, denkbar sind max. 30 %.

Gruppe ‚Ausbau erneuerbare Energien‘

Bei der Informationskampagne zu Wärmepumpen für Gebiete ohne Eignung für eine zentrale Wärmeversorgung darf die Frage gestellt werden, warum der Bereich Klimaschutz (Altmann, CC Hofmann, CC Wiegand) eine Einladung der Klima-Initiative vom 13.10.2025 zum Tag des offenen Heizungskellers am 15.11.2025 gänzlich unbeantwortet gelassen hat.

Gruppe ‚Klimafreundliche Mobilität fördern‘

Bei der Erreichbarkeit und Entwicklung des Bahnhofs wird versucht, ein unglückliches Konzept (Bus-Knotenpunkt in der Breitenstrasse) durch Behelfslösungen (4 Haltestellen für 80.000 €) zu manifestieren. Wie in diversen Gremien bereits kommuniziert, schlägt die Klima-Initiative die Verlegung des Bus-Knotenpunkts (ZOB) zum Bahnhof vor, um dort eine Top-Down-Lösung zu schaffen. Mit dieser können Anreisende von ausserhalb alle Stadtteile problemlos erreichen.

Zu Bessere Vernetzung umweltverträglicher Verkehrsmittel (z.B. durch Mobi-Stationen) hatte die Klima-Initiative dem Bereich Klimaschutz und dem Verkehrsplaner bereits schriftliche Vorschläge zu Mobilstationen in der Peripherie von Bad Hersfeld gemacht. Vom Grundsatz her orientieren sich unsere Vorschläge am Masterplan Mobilität & Verkehr. Die diesbezüglichen Besprechungen sind im Sommer 2025 vom Verkehrsplaner eingestellt worden.

Gruppe ‚Mobilitätskonzepte und -management‘

Umsetzung Masterplan Mobilität und Verkehr HEF-Mobil klingt ganz nett und riesig, geht leider an der Realität vollkommen vorbei: Das Konzept Hochbrücke ist längst beerdigt; ob wirklich eine Seilbahn zum Klinikum gebaut werden soll, dürfte recht fraglich sein. Sachkosten fallen keine an, Personalaufwand auch nicht! Wer plant denn so?

Gruppe ‚Kommunikation / Öffentlichkeitsarbeit‘

In Fortführung der Teilnahme an bundes- und landesweiten Aktionen im Themenfeld Energie und Klimaschutz das Stadtradeln aufzuführen, ist ein Armutszeugnis. Das Thema Radfahren wird allzugern benutzt, um Bürger zu einer Umweltschutzmassnahme zu animieren, wenn die politischen Ebenen selbst nichts liefern können. Von Bund + Land gibt es leider nix zum Umweltschutz. Diese Massnahme sollte man einfach weglassen.

Warum wurde sowas wie Best-Practice-Projekte kommunizieren und erlebbar machen nicht schon längst praktiziert? Beispiele der Waldhessischen Energiegenossenschaft und der Klima-Initiative:

  • Beteiligung an Erneuerbaren Energien
  • Klima-Initiative Bad Hersfeld
  • PV-Solar-Party
  • Hitzeaktionstag
  • Öffentliche Vorträge zu Wärmepumpe, Windkraft, Wärmenetzen
  • Tag des offenen Heizungskellers
  • Demo Warming Stripe
  • PV-Mieterstrommodell mit Stadtwerken
  • PV-Vorträge VHS und BUND
  • PV-Vortrag zusammen mit Stadtverwaltung.

Anhang 3: Akteursbeteiligung

Auch hier hat man es leider nicht geschafft, die Arbeitsthemen nach Sektoren zu trennen.

Bei den von den Akteuren genannten Massnahmen ist nicht erkennbar, dass die CO2-Emission im Vordergrund stehen muss.

Lenkungsgruppe

Auch hier wird, wie bereits früher angesprochen, der unangebrachte Aufwand deutlich, den man der Stadtverwaltung bei einem Anteil < 4 % zubilligt. Hinsichtlich der Klimaneutralität für Bad Hersfeld ist das unbedeutend.

Arbeitskreise

Leider gibt es keinerlei Information über die Zusammensetzung der Arbeitskreise. Dies erscheint unseriös. Wenn man nicht weiss, wer zur Meinungsbildung beigetragen hat, sind die Meinungen wertlos. Dies wird auffällig bei einer Auswertung des Arbeitskreises Gebäude und Energie, wo die Position ‚2035 als Zieljahr unrealistisch‘ mit der höchsten Priorisierung 12 versehen ist. Wer war an dieser Arbeitsgruppe beteiligt? In welcher Form sind die Mitarbeiter im Vorfeld für die anstehenden Aufgaben geschult worden? Welche Personal-Ressourcen wurden für die anstehenden Aufgaben zur Verfügung gestellt? Lt. diverser Steckbriefe soll wohl das bestehende Personal die zusätzlichen Aufgaben nahezu nebenbei durchführen, was wohl kaum seriös erscheint. Es ist zu anzunehmen, dass die Zieljahr-2035-Aussage so kaum belastbar ist.

Warum hat die Stadtverwaltung dann noch nicht ihre Bürger informiert, dass das Gasnetz spätestens in 2035 stillgelegt sein muss?

Expertengespräche

In allen Unterpunkten fehlt die Dokumentation.

Firma Räuber

Warum wurde hier nicht das Thema Sanierung statt Neubau diskutiert? Dies geht doch einher mit erheblich weniger Abfall zum Entsorgen.

Bäder Aquafit + Geistal

Es ist schwer nachvollziehbar, dass innerhalb von 12 Monaten keine Besprechung mit der Geschäftsführung der Bädergesellschaft Bad Hersfeld mbH, Herr Scholz, stattfinden konnte.

Anhang 4: Kostenblatt

Bei allen Maßnahmen sind Sach- und Personalkosten nur für die Jahre 2026-2029 angegeben. Gefordert sind Angaben für alle Jahre bis zur Klimaneutralität 2035.

Übergreifende Maßnahmen

Bei den Maßnahmen 6-7 passen die Personalkosten nicht zu Anhang 2: Massnahmen Steckbriefe.

Energieeffiziente und klimaneutrale Kommune

Bei Maßnahme 8 passen weder Umsetzungsbeginn noch erheblich abweichende Sachkosten zusammen. Personalkosten fallen für die Energieoptimierung der Bäder wohl gar nicht an?

Bei Maßnahme 9 gibt es die Richtlinie für klimafreundliche Beschaffung völlig umsonst! Dann kann sie ja nicht viel wert sein!

Energieeinsparungen und -effizienz

Wenn die Stadtverwaltung bei Maßnahme 1 mit solch einem geringen Sach- und Personalbudget Gebäudeeigentümer beraten will, gibt sie sich selbst keine Chance auf Erfolg.

Beginn passt nicht zu Anhang 2: Massnahmen Steckbriefe

Wenn in Maßnahme 3 ein am Klimaschutz orientiertes Planungsbüro ein Neubaugebiet plant, dann ist Skepsis angebracht. Gebäudeverdichtung, Nutzung von Brachflächen sind das Gebot der Stunde.

Es ist kaum möglich, etwas Positives am Planungsergebnis festzustellen. Das Planungsbüro ist den Beweis schuldig geblieben, für Klimaschutzplanung geeignet zu sein. Grundsätzlich sind die groben Planungsvorgaben konsequent ignoriert worden. Viele Details sind fehlerhaft, ohne wissenschaftliche Expertise, ohne Verantwortung dargestellt. Das Geld für den Planungsauftrag scheint ohne Nutzen ausgegeben worden zu sein.

17.11.2025